NPG - Exodus (Prince)


Photo: Kai
Photo: Kai

Erst gestern Abend wieder zwei Titel vom Album aufgelegt. :)

Eigentlich hatte ich für heute ein größeres Thema aus dem Bereich "Begegnungen" vorgesehen. Nach dem Abend darf Prince jetzt vortreten.

 

Es war sowas um 1997, ich befand mich in den letzten Zügen meiner Schulzeit, war gedanklich aber hauptsächlich bei meinem Bass, meinen Bands und der Musik. Led Zeppelin begleitete mich immer noch als meine Lieblingsband - ich hörte die Alben rauf und runter. Es kamen - wie das die Entwicklung so mit sich bringt - von einigen Seiten neue Impulse in Sachen Musikstile und Interpreten in mein Leben.

Es war wieder Matze, mein Schulfreund und Musikerkollege, der mich auf Exodus aufmerksam machte.

Ich hatte schon seit einiger Zeit ein Auge auf Princes Musik geworfen und suchte ein bischen wahllos durch die Werke, als Matze mich auf das hart funklastige Album der NPG stieß.

 

Es ist das zweite Album der New Power Generation. Nach "Goldnigga", einem eher hiphoplastigen Album, zeigt sich Exodus extrem hart funked; ganz im Stile des P-Funk von Clinton.

Exodus erschien im Frühjahr 95. Zwei Jahre nach "Goldnigga" (was für ein Titel). Das Album ist heute übrigens ein gesuchtes Sammlerstück und fehlt mir leider in meinem Fundus.

 

Trotz meiner Loyalität dem Rock gegenüber konnte ich als Bassist nicht weghören. Die Band fesselte mich. Die Grooves gingen mir sofort in den Kopf und "Get Wild" wurde zu meiner Lieblingsnummer des Albums.

Heute sind es "New Power Soul" und "The good Life", die mich immer noch schwer begeistern.

 

Die kurzen hörspielartigen Zwischensequenzen führen den Hörer durch den harten Alltag des amerikanischen "Niggas". Comedyhaft, überzogen und mit einer gehörigen Portion Selbstironie nimmt die NPG das Klischee vom verklärten Bild des "typischen Afroamerikaners" auf's Korn.

 

Das Magazin Gitarre&Bass betitelt das Album als Meilenstein. Davon gibt es bei Prince bekanntlich einige. Kein Wunder bei dem Schaffensdrang.

 

Das besondere an diesem Album: Prince tritt unter dem Pseudonym ToraTora einzwei Schritte zurück und wird Teil der Band und nicht Frontmann. Den Leadgesang übernahm häufig Sonny T.

Prince teilte sich den Basspart mit Sonny T. Zeitweise traten sie auch mit zwei Bässen auf der Bühne auf.

 

Eric Leeds ist auf diesem Album auch schon zu hören. Den Hornspieler nahm ich das erste Mal bewußt auf der Rainbow Children Tour wahr. Begeistert stand ich in der KöPi-Arena zu Oberhausen und war vollkommen geflashed vom Sound der Band und der Performance.

 

Das Album ist bei aller musikalischen Profession und der Virtuosität ein großer Spaß. Im Kontext mit Prince Gesamtwerk ist das lediglich ein Teil im Mosaik, für einige ein größeres Teilchen. Aber eben nur ein Teil. Prince wird nachgesagt, er habe stets gewußt, was er tut, wenn er sich hinsetzt und sich Musik ausdenkt.

Das mag auf jeden Fall auf Kompositionen wie Purple Rain, Doves Cry (biographisch) und ähnlichen Titeln zutreffen.

Vor allem bei der Produktion seiner Musik war er exakt und genial in seiner Arbeit.

 

Zum Beispiel: der Titel "Kiss". Ist Euch bekannt. Logo. Hört mal genau hin... wo ist der Bass?

Genau! Keiner da. 

Prince hat es geschafft, die funky Popnummer so geschickt zu stricken, dass der für den Funk - oder sagen wir mal die Art der Musik von Prince - elementare Bass einfach nicht fehlt oder vermisst wird.

Ok, soweit zum Können und dem sicherlich bewußten Handeln in seiner Arbeit.



Exodus hatte wohl nie die Absicht, der große Wurf zu werden. Heute wird es als Meilenstein gehandelt. Wenn ich mir das Album so ansehe und anhöre wirkt es einfach wie ein großer Spaß im Sinne der Freude. Und ich finde auch zeitlos!

"Hey, ich hab ne Idee. Komm, wir nehmen ne Platte im P-Funk Stil auf und machen ne Riesenparty draus."

Das Album bewegt sich neben Prince' sonstigen Alben mehr beiläufig, fast peripher und hat doch einen eigenen Stellenwert.

Ein bischen so wie mit dem letzten Projekt 3rd Eye Girl. Musik erschaffen um der Musik willen. Aus dem Eigensinn heraus. Nicht des wirtschaftlichen Erfolges wegen oder einem Druck, der aus Erwartungshaltungen von Plattenbossen oder der Öffentlichkeit entsteht.

Mit Exodus befand sich Prince 1995 in der Abnabelungsphase von großen Plattenfirmen (erinnert Ihr Euch an das Plattencover mit seinem Antlitz und dem Wort Slave auf der Wange?) und sicherlich auch nicht mehr am Anfang seiner Karriere. Er befand sich also schon in eigenem Fahrwasser und hatte sich als Künstler bereits einen etablierten Rang erarbeitet. Exodus ist ein Projekt und doch ein glänzendes Teil im Mosaik geblieben.

 

Ich werde nicht müde, Titel von dieser Platte zu spielen.

 

Dem Allmächtigen da oben wird es auf jeden Fall nicht langweilig werden mit Dir!




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