Pat Metheny - The Road to You


Bild: Kai
Bild: Kai

The Road to You ist 1993 in die Plattenläden gekommen und bildet als Livealbum mehrere Mitschnitte der Europatournee der Pat Metheny Group. 

Ich steckte damals zeitlich irgendwo in der Postabiturphase, bewegte mich gen Wehrersatzdienst und hatte reichlich Zeit für mich und die Musik. 

Durch den Kontakt mit Musikern, Freunden und neuen Begegnungen öffnete sich die Linse für neue Strömungen in der Musik und ich schielte immer mehr Richtung Jazz.

Es war erneut Matze, der mir als Einstieg in die Gitarrenwelt Pat Methenys das Livealbum empfahl. "Weniger Technikkram, purer Livesound und Du lernst Pat weniger verkitscht kennen."

 

Letzteres ist eine Feststellung, die einige Jazzhörer der Musik Pat Methenys gern anführen, wenn es um die Einordung seiner Musik in den Jazzkosmos geht. Fahrstuhlmusik und easy listening werden in Zusammenhang mit seinem Namen gern genannt und werden ihm und seinem Werk leider ziemlich ungerecht.

 

Immerhin zeigt er durch seine frühen Alben, welche Virtuosität in ihm steckt und spätestens mit dem Album 80/81 müßte im Grunde jeder Zweifel über das Können und die Wandlungsfähigkeit Methenys beseitigt sein. 80/81 ist krasses Zeug im BeBop-Stil und alles, nur nicht easy listening.

 

Sei's drum. Mich hat die Atmosphäre in Methenys Musik schnell in ihren Bann genommen und mit dem Livealbum hatte mein Kumpel Matze den richtigen Riecher. Es war für mich ein prima Einstieg in die Welt von Metheny.

Gehört habe ich dieses Album und überhaupt die Musik von Metheny weniger mit dem Bassistenohr, sondern war begeistert von dem Gesamteindruck und natürlich von Pats Gitarrenspiel. Die Synth-Gitarre hat's mir besonders angetan. Wenn die zum Einsatz kommt, öffnet sich für mich eine neue Welt. Der Begriff des Astralen und Esoterischen liegt in der Luft bei der Musik. Ja, stimmt. Ist für mich allerdings weit entfernt von der Fahrstuhlmusik.

 

Die Gitarrenthemen und Soli Pats innerhalb des Groupkontextes sind häufig total gesanglich, also prima mit der Stimme nachzuvollziehen. Ein Aspekt, der mir von Beginn an ziemlich gefallen hat. Macht ein Solo begreifbar und verständlicher.

In "Have you heard", dem ersten Titel auf dem Album, wird der vocale Aspekt sofort im Thema deutlich und von Pedro Aznar und Armando Marcal zusammen mit der Gitarre umgesetzt.



Photo: Kai
Photo: Kai

Mein absoluter Favorit auf dem Album ist der vierte Titel: Half Life of Absolution.

Den habe ich immer und immer wieder rauf und runter gehört. Gern nachts mit Kopfhörern. Der Titel ist länger und entwickelt sich in den ersten Minuten erst zaghaft und explodiert dann. Mir gefällt die Dramatik und Spannung, die die Band erzeugt und vor allem, wie sie es schafft, diese in die Entladung zu bringen.

Die tragende Rolle von Percussion und Drums werden in dem Stück deutlich. Wie oft im Jazz spielt das Schlagzeug nicht "einfach bloß" einen Beat, sondern erzählt die Melodie und das Thema des Stückes auf seine Weise.

 

Die Melodiewendungen der Gitarre im Solo und die Begleitung der Band in Spannung und Dramatik sind mitreißend. Und das ist nur eine Liveaufzeichnung.

 

Wie sehr der Liveeffekt zusätzlich zum Tragen kommt, konnte ich dann einige Jahre später zusammen mit Matthias in Hannover im Capitol anlässlich der Imaginary Day-Tour erleben. Die Band hat ne heftige Lautstärke gefahren. Hat uns anfangs irritiert, weil sonst untypisch im Jazz. Am Ende war es ein krasses Klangerleben, zumal das Album ochestral ausgerichtet ist. Schon der Eröffnungstitel haut in Klangfülle und Instrumentarium voll rein. Live war das fast nen bischen drüber.

 

"Last Train Home" löste bei meinem Kumpel Günther ein Aha-Erlebnis aus. "Alter, das war immer die Eröffnungsmusik von einer meiner Lieblingsradiosendungen. Voll cool. Jetzt weiß ich, wer das ist." Shazam oder so was gab's noch nicht.


Matthias und Günther muss ich demnächst nochmal einen ausgeben. Die haben mir damals immer wieder tolle Tips gegeben, die meinen musikalischen Horizont erweitert haben. Wofür Freunde alles so gut sind! 

 

Pat Methenys Musik ist seit vielen Jahren ein wichtiger Wegbegleiter für mich und ich werde demnächst sicher noch ein weiteres Album von ihm vorstellen. Seine Musik hat meine musikalische Landkarte richtungsweisend markiert und gefüllt.

 

Ich verabschiede mich bis Ende August in die Sommerpause. Am 04. September starte ich dann wieder immer wieder Sonntags durch. Habt einen tollen Sommer mit reichlich guter Musik auf den Ohren und in der Seele.

 

Euer Kai



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