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Geartalk - Saiten (-pflege)


Bild: Kai
Gesammelte Werke. Ausgemusterte Saiten nach der Reinigung warten auf Wiedereinsatz, bevor sie endgültig gehen dürfen. Ich habe so einen Saiten-Satz immer als Backup im Gigbag.

Saiten!

Oh je, ein Faß ohne Boden und jeder weiß was Schlaues dazu.

Bassisten (Endverbraucher), Händler (Zwischenverdiener), Produzenten ("Meine sind die Gailsten!") und Fachblätter ("Wir berichten über den heißen Scheiß!"). Alle haben sie den besten Tip parat.

 

Mit Saiten ist es wie mit Autoreifen oder der Bereifung des geliebten Sportrades: die Meinungen driften auseinander, es ist ein echter Markenkampf und am Ende zählt wohl die persönliche Erfahrung der Jahre, die mit jedem Saitenwechsel für Dich wächst.

 

Bevor ich zur Pflege von Saiten komme, erzähle ich Dir ein wenig von der Saite an sich und welche Sorten es gibt.

 

Basssaiten sind echt dicke Drähte. Sie bestehen aus einem inneren Kern. Dieser ist aus Stahl. Drumherum sind die Wicklungen, also das, was wir als Riffelung der Saite wahrnehmen. Früher waren diese Wicklungen mit einem Draht aus hochprozentigem Nickelanteil gewickelt. Vorteil: durch die geringere magnetische Wirkung von Nickel konnte eine extrem tiefe Saitenlage gewählt werden. Nachteil: durch die geringere magnetische Wirkung klangen Bässe mit solchen Saiten deutlich leiser.

 

Saitenarten

Roundwound-Saiten

Die populärste Saitenart. Die Wicklungen um den Saitenkern sind mit einem Runddraht umwickelt, was die Saite so stark geriffelt wirken läßt. Diese Saitenart ist besonders brilliant und obertonreich im Klang. Für den E-Baß die am häufigsten verwendete Saitenart.

 

Faltwound-Saiten

Der Saitenkern ist mit einem Flachdraht umwickelt. Ganz glatt, ähnlich wie beim Kontrabaß. Wird gern auf Fretlessbässen verwendet und zeichnet sich durch einen dumpferen, nasalen Klang aus. Die Griffgeräusche beim Umgreifen oder dem Lagenwechsel fallen bei Flatwounds fast komplett weg.

Bekannte Nutzer von Flatwounds: Steve Harris (Iron Maiden) und Paul McCartney (Beatles).

 

Halfwound-Saiten

Halfwounds sind Saiten mit einem halbrunden Draht gewickelt. Diese Saitenart ist weniger verbreitet und zeichnet sich klanglich als Mittelding zwischen Roundwound- und Flatwoundsaiten aus. Studiomusiker nehmen diese Saitenart oft gern, weil diese klanglich in Richtung Roundwound gehen, aber die Griffgeräusche deutlich reduzierter sind.

 

Ein Artikel zu den Saitenarten au einem Fachmagazin: Klick!

 

 

Bild: Kai
Flatwoundsaiten auf einem Fretlessbass. Ihr seht deutlich die Flachdrahtwicklungen.

Saitenmaterial

Nickelsaiten: Saiten mit einem Nickelanteil im Wicklungsdraht. Sie haben wärmere Klangeigenschaften und wirken runder im Sound. Nachteil bleibt in geringerem Maße als früher der geringere Output. Ein Rockmusiker würde wohl eher Stainless Steel Saiten wählen. Ein Jazzer wäre vielleicht eher mit Nickelsaiten zufrieden. Ob diese Pauschalisierung so stehen bleiben darf, überlasse ich Dir. Ich wollte was deutlich machen. :)

 

Stainless Steel: Diese Saiten bestehen sowohl im Kern, als auch in ihrer Wicklung aus Stahl, klingen eher strahlend und brilliant. Sie haben durch den hohen Magnetismus einen höheren Output, sind also lauter.

 

Saitenstärke

Der Standardsaitensatz eines Viersaiters wird als sogenanter 45er-Satz beschrieben und bemißt sich wie folgt:

G-Saite (.045 inches): 1,14mm

D-Saite (.065 inches): 1,65mm

A-Saite (.085 inches): 2,16mm

E-Saite (.105 inches): 2,67mm

 

45er-Sätze werden wohl am häufigsten gewählt und sind meist standardmäßig ab Werk aufgezogen. Sie werden als medium light verkauft.

40er-Sätze sind entsprechend dünner ausgelegt und werden als light angeboten.

35-Sätze sind noch dünner und werden vor allem gern von Beginnern gewählt. Sie lassen sich einfacher bespielen.

 

Je dünner die Saiten, desto weniger gehen sie klanglich in die Tiefe, liefern also weniger Bässe. Je dünner, desto einfacher lassen sie sich aber auch bespielen und herunterdrücken. Dünnere Saiten werden auch gerne von Bassisten gewählt, die häufiger Akkorde / Doublestops, Tapping u.ä. auf ihrem Bass anwenden.

 

Bassisten, die gerne und häufig die Slaptechnik anwenden, fühlen sich häufig mit einem 40er-Satz wohler. Sie nehmen den geringeren Tieftonanteil gegenüber einem drahtigeren Sound und der einfacheren Bespielbarkeit in Kauf.

Auch hier ist nichts in Stein gemeißelt. Saiten sind Geschmacks- und Gewohnheitssache!

 

Es gibt Firmen, die sich ausschließlich auf die Produktion von Saiten spezialisiert haben. Es gibt aber auch Hersteller von Gitarren und Bässen, die ihre eigene Saitenmarke vertreiben. 

Es gibt neben der industriellen Herstellung auch richtige Manufakturen, die ihre Saiten per Hand herstellen, sie also manuell wickeln. Eine Preisfrage.

 

Ein Saitensatz für einen Viersaiter liegt im mittleren Preissegment aktuell bei ca. 30 Euro.

 

Bevor ich zur Saitenpfelge und ihrer Varianten komme, möchte ich Dir noch die Nanowebsaiten vorstellen.

Auch hier gibt es mittlerweile einige Hersteller, die diese Technologie anbieten.

Das Nanoweb ist im Grunde eine hauchdünne Schutzschicht, die die Wicklungen der Saite umgibt und sie somit länger vor der Alterung (z.B. durch Korrosion) schützt. Diese Saiten sind oft etweas teurer, halten nach meiner Erfahrung aber auch echt deutlich länger. Ich nutze sie mittlerweile gern, da ich ihren Klang mag und die Haltbarkeit wirklich den Geldbeutel schont.

 

Die Pflege

Eine Saite wird alt, wenn sie korrodiert, also farblich anläuft, stumpf klingt, also ihre Obertöne verliert. Sie klingt dann meist ziemlich "tot". Das kann auch als Stilmittel oder Soundmerkmal für den einen oder anderen Musiker werden. Ein prominentes Beispiel war der afroamerikanische Studiobasser James Jamerson. Er hat unzählige Aufnahmen für Berry Gordie, dem Produzenten der Motown-Hitfabrik, eingespielt und sein Sound wurde zu einem nicht unerheblichen Teil durch die abgeranzten Saiten beeinflusst. Jamerson hat damit den Sound einer ganzen Ära maßgeblich mit geprägt; wohl mehr aus Geldmangel, denn aus Gefallen. Wer weiß ...

 

Tun wir mal weiter so, dass wir eine ordentliche "Bereifung" unseres Basses mögen und fragen weiter nach der Pflege. Die Pflege endet, wenn die Saite wirklich ordentlich korrodiert ist und richtig stumpf klingt.

Bevor das eintritt, kannst Du Deine Saiten nach jedem Spielen mit einem staubfreien Tuch abwischen. Das hilft ein wenig.

Es gibt Bassisten, die setzen Pflegemittel ein und wischen ihre Saiten damit ab.

 

Was ein- bis zweimal richtig was bringt, ist das Abziehen der Saiten und Einlegen in Spiritus. Spiritus wirkt fettlösend. Durch Schwenken der aufgerollten Saiten in einem Behälter werden Schmutzpartikel aus den Wicklungen gelöst. Diese Methode hilft kurzweilig und verlängert die Nutzungsdauer Deiner Saiten etwas.

Stelle sicher, dass Du nach dem Abnehmen der Saiten unmittelbar einen neuen Satz aufziehst. Die Krümmung des Halses durch den Halsstab (tuss rod) würde sich über die Stunden ohne Saitenspannung verändern und tut Deinem Instrument nicht gut.

 

Ein ganz erstaunlicher Trick ist die "Slap- & Popmethode". Diese habe ich vor Jahren durch den dänischen Bassisten Marlowe DK (Thomas Risell) kennengelernt und war überrascht über den Effekt. Das Ganze geht wie folgt:

löse die Spannung einer Saite etwas (ca. ne 1/4 Wirbeldrehung) und reiße die Saite mit Daumen und Zeigefinger an und lasse sie gegen das Griffbrett schlagen. Durch die geringere Spannung löst sich offenbar einiges an Dreck. Spanne die Saite erneut und erledige das Ganze auf den übrigen Saiten Deines Basses.

Nach Angabe von Marlowe sollst Du das "Slappen" pro Saite 2-3 Minuten machen. Der Effekt ist für den vergleichsweise geringen Aufwand erstaunlich! Immerhin bleiben die Saiten am Bass, Du mußt sie nicht abnehmen und mit Flüssigkeit reinigen und trocknen wie bei der Spiritusmethode.

 

Wovon ich Dir unbedingt abrate: Auskochen von Saiten!

Diese Methode ist echt Hardcore im wahrsten Sinne des Wortes. Hier wird zwar alles porentief rein, schädigt aber auch oft den Kern der Saite. Er wird porös / spröde und die Saite kann beim Wiederverwenden reißen.


"Neue Saiten in 2 Minuten". Der Marlowe DK-Trick

Dem Kollegen mal auf Youtube zu lauschen macht ohnehin Spaß.


Aufziehen von Saiten

Hierzu gibt es nicht viel Neues zu berichten und im Netz allerlei Anleitungen.

Achte beim Aufziehen neuer Saiten darauf, dass die letzte Wicklung der Saite unten liegt an der Stimmmechanik. Vermeide in jedem Fall ein "Durcheinanderwickeln", sondern baue die Wicklung der Saite um die Stimmmechanik schichtweise auf. 

 

Warum soll die letzte Wicklung unten liegen?

Durch diese Anordnung der Saite mit letzter Wicklung unten wird der Saitendruck auf den Sattel größer, also maximal ausgenutzt. Ein gewisser Saitendruck auf den Sattel ist wichtig für ein optimales Schwingungsverhalten und Sustain der Saite.

 

String-Pin

Dieser wird vor allem für Jazzbässe und ihre D- und G-Saiten verwendet. Diese Saiten liegen bauartbedingt weit hinten an der Kopfplatte und haben durch den größeren Abstand von Sattel und Mechanik einen geringen Auflagedruck beim Sattel. Der Pin erhöht den Druck, indem er die beiden Saiten auf Höhe der A-Saite herunterdrückt.

Einige Bässe haben kurz hinter dem Sattel einen für alle Saiten durchgehenden Steg, unter welchem alle Saiten zwecks Druckaufbau geführt werden.

 

Saitenkurbel

Diese gibt es nicht nur für Gitarren, sondern auch für uns Bassisten in passender Größe. Mit der Kurbel kommst Du nicht nur schneller voran beim Saiten aufziehen, Du kannst mit ihr auch regelmäßiger Wickeln. Ich stelle den Bass dazu immer aufrecht auf den Boden, arbeite im Sitzen, führe mit der einen Hand die Saite eng am Sattel und kurble mit der zweiten Hand. Dabei solltest Du darauf achten, dass sich die Saite beim Wickeln nicht verdreht, sondern sich sauber legt.

Ist ein bischen wie beim (Instrumenten-) Kabel (Auf-) wickeln.

 

Einigen Musikern kann es gar nicht schnell genug gehen und sie haben ihren Akkuschrauber zur Wickelmaschine umgebaut. Geht flott, spart Zeit, aber Du hast so weniger Kontrolle über den Vorgang.

 

Welche Reihenfolge der Saiten?

Das ist egal. Wichtig ist, dass Du die Saiten sukzessive wechselst und nicht gleich den kompletten Satz abnimmst. Dies mag der Hals des Basses nicht so gern. Er ist auf einen gleichmäßigen Saitenzug eingestellt. Den solltest Du halten. Auch beim Saitenwechsel.

Ich spanne meine drei übrigen Saiten immer ne 1/8 Drehung höher, löse dann die Spannung der zu wechselnden Saite, nehme sie ab und ziehe die neue Saite auf. Dabei bringe ich sie zunächst noch nicht komplett auf Stimmung. Dann widme ich mich den übrigen Saiten nacheinander.

Wenn alle Saiten gewechselt sind, nimmst Du die erste grobe Stimmung mithilfe des Stimmgeräts vor.

Um die Dehnung der neuen Saiten künstlich etwas voranzutreiben, kannst Du jede einzelne Saite leicht dehnen, in dem Du sie vom Griffbrett nach oben ziehst. Vorsichtig!

Dann ist Nachtimmen angesagt. Nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag macht es Sinn, erneut nachzustimmen und die Oktavreinheit zu überprüfen (siehe Blogbeitrag zur Oktavreinheit).

 

Kürzen der Saiten

Es gibt unterschiedliche Saitenlängen. Die am häufigsten verkaufte Variante ist die Longscalegröße. Sie ist für alle Bässe mit Normalmensur (86,4cm) gedacht. Zum Vergleich: Shortscale-Bässe haben eine Mensur von 76,2cm.

Die Mensur wird vom Sattel bis zum Auflagepunkt an der Brücke gemessen.

 

Das Kürzen der Saite ist so 'ne Sache. Ab geht immer. Wie beim Friseur. Aber wann ist es zu kurz? Die Internetrecherche ergibt ein Kürzen der Saite um 15cm an der Achse, wo sie sitzen soll. Mhhhh... aha.

Ich muss auch jedes Mal wieder neu überlegen. Am wenigsten schneide ich bei der G-Saite ab, weil diese sich an meinem Bass am weitesten weg vom Sattel befindet.

Die E-Saite wird tatsächlich um ca. 15cm gekürzt.

Hängt von der Anordnung Eurer Stimmwirbel ab.

 

Faustregel: Ihr solltet je Saite mindestens 2-3 Wicklungen um die Achse des Stimmwirbels haben, damit der Saitenauflagedruck maximal groß ist. Ihr erinnert Euch: Letzte Wicklung unten!

Schneidet erst weniger ab und knickt das Ende der Saite zum Einführen in das Loch der Achse erstmal nicht komplett, sondern tastet Euch heran.

 

Für Jazzbass-Besitzer mit Normalmensur

Ich habe meine Ausschussware an Saiten mal gemessen und kann Euch folgende gekürzte Längen der Saiten nennen:

E-Saite: ca. 108cm

A-Saite: ca. 115cm

D-Saite: ca. 117cm

G-Saite: ca. 121cm

 

Nagelt mich nicht auf'n Zentimeter fest. :)

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Kommentare: 2
  • #1

    Thomas Will (Sonntag, 04 September 2022 18:28)

    Gibt es Gedanken oder sogar Möglichkeiten zur sinnvollebn Entsorgung von Saiten ? Schließlich handelt es sich um wertvolles Material auch wenn sie für das Instrument nicht mehr taugen.

  • #2

    Kai (groove-i.d.) (Montag, 05 September 2022 17:04)

    Moin Thomas!
    Die liebe, sog. Nachhaltigkeit.
    Ich selber habe keine Idee, außer, dass ich meine Saiten wie im Artikel beschrieben, echt lange nutze, in dem ich sie reinige.

    Aber schau mal hier (beginnt amüsant):
    https://www.musiker-board.de/threads/saiten-recycling.38584/
    Und hier:
    https://geigenbau-goes.de/saitenrecycling/

    Es scheint also Möglichkeiten zu geben. Sind halt oft dann die Scheideanstalten.